Schleswig-Holstein-Ticket – ein Rechenbeispiel

Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2010 wurde auch die Tarife im Nah- und Regionalverkehr angehoben. Hier wird von einer durchschnittlichen Erhöhung von 1,9 Prozent gesprochen. Der Preis für die Länder-Tickets wurde aber wesentlich stärker angehoben. Konnten bisher fünf Personen zum Preis von 30,00 Euro einen ganzen Tag lang quer durch ein Bundesland fahren, sind hierfür jetzt 38,00 Euro fällig – entsprechen einer Erhöhung von mehr als 26 Prozent! Diese Preiserhöhung ist unabhängig vom Betreiber der Strecke und gilt somit nicht nur für die Deutsche Bundesbahn, sondern auch für die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) auf der Strecke zwischen Hamburg und Sylt.

Neu ist, das für das Länder-Ticket jetzt vor Beginn der Fahrt die Anzahl der Mitreisenden angeben werden muss. Der Preis errechnet sich aus dem Grundpreis für eine Person in Höhe von 26,00 Euro und erhöht sich je Mitreisenden um 3,00 Euro – bis eben maximal 38,00 Euro.

Fährt ein Reisender mit dem Länder-Ticket allein ergibt sich dann tatsächlich eine Preissenkung von etwas mehr als 13 Prozent – aber wer nutzt in solches Ticket schon freiwillig allein?

Für die Fahrgemeinschaften, die sich bisher locker an den verschiedenen Bahnhöfen z.B. Westerland auf Sylt oder Hamburg Altona getroffen haben, um so ihre Reisekasse zu schonen, wird die neue Regelung wohl bedeuten, dass man länger am Fahrkartenautomat steht – zumindest bis fünf Personen sich für eine gemeinsame Fahrt gefunden haben.

Weiterhin gilt, dass nach Fahrtantritt eine Erweiterung der Gruppengröße und ein Austausch der mitreisenden Personen nicht zulässig ist.

Streit um das Buchungsgeschäft

Am 28.04.2010 berichtet der Sylter Spiegel, dass der Aufsichtsrat des Insel Tourismus-Service GmbH (ISTS) die unternehmerische Ausrichtung des ISTS ausdrücklich unterstützt. Worum geht es dabei? Der ISTS früher Tourismus Service Westerland (TSW) betreibt seit Jahren unter der Internetadresse www.westerland.de und jetzt auch unter www.sylt-reisen.de und in Kooperation mit der SMG unter www.sylt.de eine Plattform zur Vermittlung von Ferienobjekten. Dieses scheint auf den ersten Blick vollkommen unproblematisch zu sein.

Ein Blick hinter die Kulissen wirft aber berechtigte Zweifel auf, die jetzt auch von einigen Großvermietern angemeldet werden. Der Zusammenschluss dieser Großvermieter im Sylt Tourismus Verband (STV) sieht eine unausgewogene Konkurrenzsituation auf mehreren Ebenen. So wurden zum Beginn 2010 neue Gästekarten vom ISTS aufgelegt – versehen mit einem Werbeaufdruck für die Internetplattform des ISTS unter www.sylt-reisen.de. Diese Gästekarte müssen durch alle Vermieter der Gemeinde Sylt an die Gäste ausgegeben werden. Hieraus ergibt sich ein deutlicher Wettbewerbsvorteil, denn diese Karte wird immerhin an über 530.000 Gäste (Gästeanzahl 2008 in Westerland, Rantum und den Sylter Friesendörfern) ausgegeben.

Der nächste Streitpunkt ist das Sylt Urlaubsmagazin 2010. Während alle Vermieter für eine Anzeige in diesem Magazin einen nicht unerheblichen Betrag zahlen müssen, finden sich auf 18 redaktionellen Seiten hervorragend positionierte Werbeeinstreuungen für die Internetplattform www.sylt-reisen.de.

Die Buchungsplattform des ISTS steht in direktem Wettbewerb zu den Großvermietern auf der Insel. Dieses System basiert auf einer Provisionsabrechnung. Diese Provision müssten die Agenturen aus ihrer eigenen Provision zahlen – was wirtschaftlich vollkommen undenkbar ist.

Von wirklichem Wettbewerb kann man sowieso nicht sprechen, denn die Verluste des ISTS werden durch ein Steuerverbundmodell mit der Energieversorgung Sylt (EVS) vollständig ausgeglichen! Daraus resultiert eine totale Verzerrung des Marktes, da der ISTS nicht wie alle anderen Vermieter gewinnorientiert arbeiten muss. Zusätzlich erhebt die Gemeinde Sylt von allen Betrieben, ob Vermieter, Einzelhandel oder Vermietagentur, eine Tourismusabgabe, die direkt dem ISTS als gemeindeeigenem Eigenbetrieb zufliessen. Auch über diesen Weg müssen die Großvermieter den ISTS zwangsweise subventionieren.
Der Aufsichtsrat des ISTS, bestehend aus Gemeindevertretern der Gemeinde Sylt, beurteilt diese Punkte aber offensichtlich anders. Es fehlt deshalb auch die Einsicht, dass daraus nur unnötige Rechtsstreitigkeiten erwachsen, die langfristig dem Image der Insel Sylt schaden. Es kann aber nicht zugelassen werden, dass ein gemeindeeigener Betrieb, dessen Verluste jederzeit vollständig ausgeglichen werden, in direkter Konkurrenz zur freien Wirtschaft auftritt.

Wenn eine offizielle und unabhängige Plattform, wie von Herrn Douven gefordert, zur Erfüllung der Anforderungen der Gäste notwendig ist, dann muss sich auch diese dem freien Wettbewerb stellen. Aber genau das ist es was zur Zeit fehlt.